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Die 10 bedeutendsten Klöster in Russland

Das russische Mönchtum empfing seine erste Impuls aus Konstantinopel und dem Heiligen Berg Athos; im fünfzehnten Jahrhundert, als Byzanz fiel, übernahm Moskau in der Selbstwahrnehmung der russischen Kirche die Rolle des „Dritten Rom". Aus dieser Übertragung entstanden riesige Klöster — Lawren (Hauptklöster) und gewöhnliche Abteien —, die im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert zu wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Zentren des russischen Staates wurden. Die Sowjetperiode (1917–1991) schloss, zerstörte oder funktionalisierte die meisten um. Die Wiedereröffnung nach 1991 ist in vollem Gang, aber die Gemeinschaften sind noch jung und die Narben der Geschichte sichtbar.

1. Dreifaltigkeitslawra des Heiligen Sergius, Sergijew Possad

Die Troize-Sergiewa Lawra — Dreifaltigkeitslawra des Heiligen Sergius — ist das spirituelle Herz der russisch-orthodoxen Kirche. Gegründet vom Heiligen Sergius von Radonesh im vierzehnten Jahrhundert als kleine Waldeinsiedelei, wurde sie zur wichtigsten Pilgerstätte Russlands. Der Komplex mit seinen weißen Mauern, Goldkuppeln und dem bemalten Refektorium (sechzehntes Jahrhundert) ist seit 1993 UNESCO-Welterbe. Die Reliquien des Heiligen Sergius werden in der Dreifaltigkeitskathedrale verehrt; das originale Rublew-Ikonostás befindet sich hier. Die Gemeinschaft zählt heute rund dreihundert Mönche. Sergijew Possad liegt 70 Kilometer nordöstlich von Moskau.

2. Solowezki-Inseln, Weißes Meer

Das Kloster der Solowezki-Inseln, im fünfzehnten Jahrhundert auf Inseln im Weißen Meer gegründet, gehört zu den eindrucksvollsten monastischen Anlagen Russlands. Die Natursteinmauern des Klosters sind in Ausmaßen gebaut, die eher eine Festung als ein Kloster vermuten lassen — und das war auch ihre Funktion: Die Inseln boten natürlichen Schutz vor Invasion. Seit 1992 UNESCO-Welterbe. Die dunkle Geschichte: 1923 wurde das Kloster von den Bolschewiken in das erste politische Lager der Sowjetunion (SLON) umgewandelt — der Vorläufer des Gulag-Systems. Die Doppelschicht von spiritueller Größe und staatlichem Terror macht die Inseln zu einem der komplexesten Gedenkräume Europas.

3. Kirillo-Beloserski-Kloster, Wologda

Das Kloster des Kyrill von Belosersk, am Ufer des Sivers-Sees in der Region Wologda, ist eines der größten monastischen Festungsanlagen Europas. Die Steinmauern mit ihren Türmen wurden im siebzehnten Jahrhundert erbaut und umschließen ein Ensemble von Kirchen, Gästehäusern und Wirtschaftsgebäuden, das in seiner Ausdehnung einem kleinen Stadtquartier gleicht. Das Kloster wurde von Zar Iwan dem Schrecklichen regelmäßig besucht und diente als Staatsarchiv und zeitweilig als Gefängnis für politische Gefangene. Heute zum Teil Museum, zum Teil aktives Kloster.

4. Walaam, Ladogasee

Die Walaam-Inseln im Ladogasee, nördlich von Sankt Petersburg, bilden ein Klosterarchipel mit einer Gemeinschaft, die auf das zwölfte oder vierzehnte Jahrhundert datiert wird. Das Kloster wurde im Zweiten Weltkrieg von der finnischen Armee besetzt, seine Mönche nach Finnland evakuiert, wo sie den Walaam-Ableger in Heinävesi gründeten. Nach der Rückgabe 1990 kehrten russische Mönche zurück und eine neue Gemeinschaft wurde aufgebaut. Die Inseln sind per Fähre von Sortawala erreichbar und gelten als eines der schönsten Natururlaubsziele Nordwestrusslands.

5. Optina Pustyn, Kaluga

Optina Pustyn, südlich der Stadt Koselsk in der Region Kaluga gelegen, ist das bekannteste Kloster Russlands wegen seiner Tradition der Starzen — geistlichen Väter, die als Seelsorger für das ganze Volk fungierten. Im neunzehnten Jahrhundert zogen Literaten wie Gogol, Dostojewski und Tolstoi nach Optina, um die Starzen zu konsultieren. Der Starez Ambrosius von Optina war das Vorbild für den Starez Sossima in Dostojewskis „Die Brüder Karamasow". Das Kloster wurde 1987 als erstes in der Sowjetunion wiedereröffnet und ist heute ein aktives Zentrum für Wallfahrt und geistliche Beratung.

6. Pskow-Höhlenkloster (Pskow-Petschory), Pskowskaja Oblast

Das Kloster der Heiligen Dormition in Petschory ist einzigartig in Russland: Es wurde nie geschlossen, weil es während der Sowjetzeit kurz auf estnischem Staatsgebiet lag und so der Enteignung entging. Die Klostergebäude sind zum Teil direkt in Sandsteinhöhlen (Petschory = Höhlen) gebaut, die seit dem fünfzehnten Jahrhundert als Begräbnisstätte der Mönche und Pilger dienen. Das Kloster ist heute von einer lebendigen Gemeinschaft bewohnt und für Pilger und Besucher täglich geöffnet. Die Mönchshöhlen können in geführten Touren besichtigt werden.

7. Nilus Stolobenski, Twer

Das Kloster des Heiligen Nilus Stolobenski auf der gleichnamigen Insel im Seliger-See ist ein bedeutendes Pilgerziel der russisch-orthodoxen Welt. Der Heilige Nilus lebte im sechzehnten Jahrhundert als Einsiedler auf der Insel; das Kloster wurde nach seinem Tod gegründet. Die Ikonostás der Hauptkirche enthält die hölzerne Figur des schlafenden Heiligen, eine für die russische Volksfrömmigkeit charakteristische Darstellung.

8. Ferapontow-Kloster, Wologda

Das kleine Kloster Ferapontow ist weniger wegen seiner Größe als wegen seiner Fresken bekannt: Die Kathedralkirche enthält das vollständigste erhaltene Freskenprogramm von Dionisij, dem bedeutendsten russischen Ikonenmaler nach Andrei Rublew (gemalt 1502). Seit 2000 UNESCO-Welterbe. Die Erhaltung der Fresken ist außergewöhnlich; das Kloster wird mit minimalem Touristenverkehr bewirtschaftet, um die sensiblen Malereien zu schützen. Ferapontow liegt 120 Kilometer nordöstlich von Wologda.

9. Tichwin-Kloster, Leningrader Oblast

Das Männerkloster in Tichwin östlich von Sankt Petersburg beherbergt die Tichwin-Ikone der Gottesmutter — eine der am meisten verehrten Ikonen Russlands, die nach der Sowjetzeit in New York aufbewahrt worden war und 2004 feierlich zurückgebracht wurde. Das Kloster, im sechzehnten Jahrhundert gegründet, wurde nach 1991 vollständig restauriert und ist heute ein wichtiges Pilgerzentrum für russisch-orthodoxe Gläubige aus dem ganzen Land.

10. Potschajiw-Lawra (Ukraine)

Die Potschajiw-Lawra in der heutigen Westukraine ist historisch und theologisch Teil der russisch-orthodoxen Tradition und wird daher in diesem Zusammenhang erwähnt. Sie wurde im sechzehnten Jahrhundert auf einem Felsen in Wolhynien gegründet, auf dem nach Überlieferung die Gottesmutter erschienen war. Die Lawra, eine der wenigen in der Sowjetzeit nie geschlossenen, ist eines der wichtigsten Pilgerziele der ostslawischen orthodoxen Welt.

Vom Lesen zum Planen

Sergijew Possad ist eine Tagesreise von Moskau; die Solowezki-Inseln erfordern Flug oder Schiff und mehrere Tage. Für Optina Pustyn empfiehlt sich eine Nacht im Klostergästehaus, um den Abendgottesdienst zu erleben. Alle Orte auf der Karte eingetragen.